Meditatives Hunde-Gassigehen. Teil 1.

Es gibt zwei Feinde des meditativen Gassigehens: alle Sorten Fremdlinge wie z.B. andere Hunde, Fahrradfahrer, Jogger, Menschen in Rollstühlen oder Träger von Headphones, sowie die Uhr.

In diesem ersten Teil geht es nicht um die Uhr.

 

Früher, als noch nicht so viele Hundemenschen auf "unserem" Feld waren, es noch keinen Radweg zur GSI gab und das mit der Hundeerziehung noch nicht so genau genommen wurde, ging ich mit unseren Hunden einfach spazieren. Sie liefen bei mir, auf dem Feld, weit vor mir oder weit hinter mir. Ich konnte wunderbar nachdenken oder nichts denken und die Spaziergänge waren Zeiten, in denen ich abschalten konnte.

Heute muss ich vorausschauend sein, denn es ist voller bei uns geworden. Und rücksichtsloser (Fahrradfahrer, die im 20cm-Abstand von hinten an uns vorbeifahren? Keine Seltenheit). Und aggressiver (unsere Nachbarin wurde von einer Autofahrerin geschlagen, weil sie sie gebeten hatte, auf dem Feldweg langsamer zu fahren). Und die Ansprüche an Hunde wachsen langsam ins Unermessliche.

Ich scanne also. Ich sehe, dass 150m voraus der schwarze Schäferhund unterwegs ist - kommt er auf uns zu oder geht er weg? Ich kann Herrchens Rücken erkenne, also Entwarnung! Der Jogger, der in geschätzten 30 Sekunden unseren Weg kreuzen wird? Wir sind dann nur noch ca. 15 Meter weg vom Meeting Point - Zeit, den Dackel anzuschnallen. Frau mit Kinderwagen? Wahrscheinlich kein Problem, aber sicher ist sicher - alle Hunde in die Ausweichbucht. Ist der Hund, der schwanzwedelnd auf uns zu kommt, Freund oder Feind? Dessie sagt eindeutig "Feind", also sich wappnen und 30kg wilden Hund versuchen umzulenken.

Wenn ich mit den Hunden unterwegs bin, bin ich aufmerksam, beobachte, spiele mögliche Szenarien durch und entwerfe Handlungsstrategien, die ich genauso schnell verwerfe, sollte die Situation es erfordern.

Selten kann ich vor mich hinträumend die Aussicht genießen und mein Gesicht der Sonne entgegen strecken. Das finde ich manchmal schade, vor allem in Situationen, in denen die ganze Vorausschau mal wieder nichts gebracht hat, weil der blöde Fasan einfach vor unserer Nase über den Weg hinweg fliegt. Andererseits merke ich, dass ich eine sehr, sehr gute Beobachterin geworden bin. Ich denke, ich sehe heute viel mehr als früher, und da ist auch viel Schönes dabei. Wenn dann alles stimmt: weite Sicht, niemand nähert sich, alles Hundevolk benimmt sich, dann kann ich ausatmen und schauen. Und das sind die richtig schönen Momente.

 

Bis bald.

 

Zwiebel. 

 

Ich bin hundeerfahren und hundebelesen, aber keine Hundefachfrau. Der Blog gibt meine eigene Meinung wieder und erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit.